Ooty und Coonoor

By Ruben • Indien • 15 Jul 2014

Ihr werdet es kaum glauben, aber es gibt tatsächlich einen zweiten Post für dieses Wochenende. Um es kurz zu fassen: Es war der Hammer, vor allem der Sonntag war einer meiner schönsten und besten Tage bisher in Indien.

Aber fangen wir doch lieber vorne an. Am Freitag Abend machten wir (das waren diesmal 5 Leute, d.h. wir vier DHBWler und Felicia, die hier ein zweimonatiges Praktikum macht) uns auf um eine neue Art des Reisens für uns zu erkunden; ein so genannter Sleeperbus. Ähnlich wie man das eventuell aus einem Zug mit Schlafkabinen kennt sind hier Pritschen anstatt Sitze im Bus eingebaut. Diese sind jedoch nicht unbedingt für große Europäer konstruiert. So hatten die kleinen „Schulkinder“ unter uns kein Problem mit dem liegen, selbst wenn der Rucksack noch an den Füßen lag. Bei mir hingegen war es gerade noch möglich komplett ausgestreckt dazuliegen, dabei sind aber dann Füße und Kopf jeweils angestoßen. Sollte man jedoch nochmal etwas größer sein als ich wird die ganze Sache noch unbequemer (gell Joachim). Unbequemer wird die Sache auch nochmal dadurch, dass die Straßen nicht so ordentlich ausgebaut sind wie bei uns die Autobahn, sondern öfters einmal Schlaglöcher haben. Die kleinen Schlaglöcher werden zwar glücklicherweise weggefedert, aber die größeren bekommt man dann schon zu spüren. Schlimmer aber noch als die Schlaglöcher sind die ständigen Speed humps (oder speed braker) die immer wieder auf der Straße angebracht sind. Der Busfahrer bremst natürlich runter und fährt vorsichtig mit der vorderen Achse darüber. Danach wird aber sofort wieder beschleunigt, sodass die hintere Achse mit Schwung über den Bremshügel (Übersetzung von dict.cc) fährt und man in seinem Bett nach oben geschleudert wird. Der Effekt wird natürlich stärker, je weiter hinten man sein Bett im Bus hat. Aber auch diese 8h Fahrt gingen herum, bei den einen mit mehr und besserem, bei den anderen mit weniger und nicht so gutem Schlaf. Bereits bei der Anfahrt auf Ooty in der Dämmerung war ich dann schon begeistert von der Landschaft und schaute die letzte halbe Stunde Fahrt dann lieber aus dem Fenster, als nochmal etwas zu schlafen. Als wir aus dem Bus ausstiegen wurden wir dann von Regen und gefühlten 5°C (in Wirklichkeit waren es wohl so um die 16°C) empfangen.

Glücklicherweise konnten wir dann direkt in unsere zwei Hotelzimmer einchecken und uns nochmal etwas ausruhen bevor wir dann um 9:30 von unserem Guide abgeholt wurden. Mit ihm zusammen fuhren wir dann mit dem Bus etwas außerhalb der Bergstation wo unsere ca. 20km Wandertour losging. Diese führte uns hauptsächlich durch Wälder und vorbei an Teeplantagen. Da das Wetter den ganzen Tag sehr regnerisch war, hatten wir leider keine gute Aussicht weshalb wir auch entschieden nicht mehr ganz auf den höchsten Berg Südindiens, den Doddabetta peak, hochzulaufen. Außerdem bevorzugten wir dann lieber die Waldwege gegenüber der Straße, die uns auf diesen Berg geführt hätte. Ebenso ein Teil der Tour war das Teetrinken im Hause des Guides. Das war eine sehr schöne Erfahrung und zugleich doch etwas erschreckend auf wie wenig Raum und in was für Räumlichkeiten der Guide mit seiner Familie lebt. Nach dem angenehm warmen Tee ging es dann noch zur Tee-Fabrik. Angeschlossen an die Tee-Fabrik gab es auch noch einige Verkaufsstände, einer unter anderem mit Schokolade, wo ich mich erst einmal mit leckerer und vor allem günstiger Schokolade eindeckte. Auf dem Rückweg zum Hotel freuten wir uns dann schon auf eine warme Dusche um uns wenigstens ein bisschen aufzuwärmen, nachdem die Zimmer ja schon keine Heizung hatten. Im Hotel angekommen mussten wir dann leider feststellen, dass es warmes Wasser nur morgens und abends gibt. Undgeduscht gingen wir also nochmal los, um uns noch ein wenig das Dorf anzuschauen und Abend zu essen.

Der Sonntag begann dann mit dem Check Out im Hotel. Glücklicherweise konnten wir ein wenig Gepäck an der Rezeption zurück lassen, sodass wir das nicht den ganzen Tag mit uns rumschleppen mussten. Auf dem Weg zum Bahnhof gab es dann traditionelles indisches Frühstück mit Poori und Soßen dazu.

Mit den so genannten Nilgiri (Blauer Berg) Mountain Railway ging es dann nach Coonoor. Für die ca. 20 km lange braucht der Zug, der von einer Diesellock gezogen wird über eine Stunde. Er schlängelt sich hierbei durch Wälder und vorbei an Teeplantagen und überwindet ca. 500 Höhenmeter (nach unten). Für unsere 6h Aufenthalt in Coonoor hatten wir noch nichts Konkretes geplant, wollten aber auf jeden Fall noch einmal in die Berge und etwas von der Landschaft sehen. Als uns dann wieder einmal ein Inder direkt am Bahnhof ansprach und uns eine günstige Tour verkaufen wollte waren wir erst skeptisch. Als wir den Preis von ursprünglich 400Rs (5€) auf 200Rs pro Person runtergehandelt hatten nahmen wir das Angebot an. Es war wahrscheinlich die beste Entscheidung, die wir treffen konnten, da der Guide, für indische Verhältnisse, herausragend Englisch sprach und uns durch unglaublich schöne Natur führte. Am Ende des Tages bekam er sogar 300Rs pro Person von uns, da wir ihn so herausragend fanden. Zu der Tour selbst schreib ich nicht so viel, da sprechen die Bilder für sich, aber der Weg aus den Bergen zurück nach Coonoor ist noch erwähnenswert: Laut Guide hätte um 15:30 Uhr ein Bus von der Haltestelle zurück fahren sollen, bei der wir auch ausgestiegen sind. Auf dem Weg zur Haltestelle erfuhren wir jedoch schon, dass dem nicht so sei und der nächste Bus erst in 45min fahren würde. Das wäre aber deutlich zu spät gewesen um unseren Zug um 16:30 Uhr in Coonoor zu erreichen. So versuchte der Guide, während wir in der eigentlichen Hektik noch eine gemütliche Teepause einlegten, eine andere Transportmöglichkeit für uns zu organisieren. Irgendwann kam dann eine Rikscha vorbei in der bereits 7 Personen (inkl Fahrer) saßen. Davon ließ sich aber keiner abschrecken, und so wurde kurzerhand die „Kofferraum“-Klappe heruntergeklappt, was den Sitzplatz für uns vier Deutschen bildete. Der Guide quetschte sich noch irgendwie vorne rein und so ging es dann mit zwölf Leuten in einer Rikscha Richtung Coonoor. Mit dieser Aktion fingen wir viele, erst ungläubige, dann amüsierte Blicke ein und zwischendurch musste der Guide sogar noch anschieben, da sonst die Rikscha den Berg nicht hochgekommen wäre. Mit 5min Zeitpuffer erreichten wir dann gerade so noch unseren Zug und fuhren zurück nach Ooty. Dort gab es noch leckere Pizza zum Abendessen, bevor es dann wieder mit dem Sleeperbus zurück nach Bangalore ging.

Falls es euch interessiert, könnt ihr auch gerne mal auf dem Blog von Joachim (www.reiters.eu) vorbei schauen. Durch das Lesen beider Blogs verfollständigen sich vielleicht Informationen, die bei mir nicht ganz so klar rüber kommen oder ich ganz anders empfinde.

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